Vom Erfinder zum Verfolger: Warum Japans Lithium-Ionen-Batterie-Hegemonie zerbrach

I. Die glorreichen Anfänge: Japan erfindet den Lithium-Ionen-Akku, Panasonic besteigt den Thron

1983 entwickelte Dr. Akira Yoshino eine neue wiederaufladbare Zelle mit Polyacetylen-Anode und Lithium-Kobaltoxid-Kathode – der Ursprung der modernen Lithium-Ionen-Batterie. Acht Jahre später brachte Sony die weltweit erste kommerzielle Lithium-Ionen-Zelle auf den Markt, und Japan begann eine mehr als zwanzigjährige Dominanz.

1994 folgte Panasonic mit eigenen wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Zellen und zielte auf den Automobilmarkt. Um 2000 kontrollierten japanische Hersteller rund 93% des weltweiten Umsatzes mit Lithium-Ionen-Batterien.

2008 erwarb Panasonic Sanyo, einen der weltweit größten Batteriehersteller, und festigte damit seine Spitzenposition. Das Know-how stammte jedoch nicht aus der Autoindustrie, sondern aus der damals zurückweichenden japanischen Unterhaltungselektronik: Die 18650-Zelle wurde ursprünglich in Laptops eingesetzt.

II. Die Wende: Tesla kommt, aber die japanischen Autobauer folgen nicht

2008 stellte Tesla den Roadster vor. Sein Preis stieg von 100.000 auf 110.000 US-Dollar, hauptsächlich wegen der teuren Batterien – allein das Batteriemanagementsystem soll rund 20.000 US-Dollar gekostet haben.

Nach dem Vergleich von über 300 Zelltypen entschied sich Tesla für Panasonics 18650-Zelle. Panasonic, das durch eine Fehlinvestition in Plasmafernseher rund 4 Mrd. US-Dollar verloren hatte, brauchte dringend einen neuen Wachstumsmarkt.

2010 investierte Panasonic 30 Mio. US-Dollar in Tesla. 2011 folgte ein Vertrag über 640 Mio. 18650-Zellen für die Model S, 2013 ausgeweitet auf 1,8 Mrd. Zellen. 2014 steuerte Panasonic 1,6 Mrd. US-Dollar zur Gigafactory in Nevada bei; 2017 brachten beide gemeinsam die 21700-Zelle mit etwa 20% höherer Energiedichte auf den Markt.

Doch in Japan hielten Toyota und andere an Hybriden und Wasserstoff fest. Panasonic hatte Spitzentechnologie, aber keinen heimischen Markt, um sie zu finanzieren.

III. China verpasst: Tesla geht nach Osten, Panasonic bleibt zurück

2019 begann der Bau der Tesla-Gigafactory in Shanghai. Bis Ende des Jahres lief die Produktion an. Panasonic war nicht dabei, weil es keine chinesische Kapazität aufgebaut hatte.

Tesla wandte sich an LG Chem und CATL. Ohne heimische Nachfrage der japanischen Autobauer konnte Panasonic keine Kapazitätsexpansion rechtfertigen; und weil Panasonic zu stark an Tesla gebunden war, verpasste es den größten Zuwachsmarkt der Welt.

2025 fiel Panasonic auf den siebten Platz der weltweiten EV-Batterieinstallationen zurück, mit etwa 44,2 GWh und einem Marktanteil von nur 3,7% – ein Bruchteil von CATL.

IV. Toyotas Preis: Die Kettenreaktion einer konservativen Strategie

Panasonics Niedergang hängt direkt mit Toyotas Zurückhaltung zusammen. Ohne Inlandsmarkt konnte Panasonic nicht mit China konkurrieren; ohne starken heimischen Batteriehersteller verlangsamte sich Toyotas Elektrifizierung.

Im Geschäftsjahr 2025 stieg Toyotas Umsatz um 5,5%, der Nettogewinn fiel jedoch um 19,2%. Für 2026 erwartet Toyota einen weiteren Rückgang um 22% – das dritte Jahr mit sinkendem Gewinn. Das Flaggschiff-EV-Projekt Lexus LF-ZC wurde gestoppt, Zulieferer erhielten Entschädigungen in Höhe von Hunderten Milliarden Yen.

V. Wie China überholte: Der Markt als bester Katalysator

Der Aufstieg chinesischer Batteriehersteller ist das Spiegelbild von Panasonics Fall. Zwischen 2020 und 2024 wuchs die chinesische Produktion von Traktionsbatterien von 83,4 GWh auf über 1.000 GWh. Chinesische Unternehmen belegen sechs der ersten zehn Plätze weltweit und halten mehr als 60% Marktanteil.

Ihr Geheimnis liegt im weltgrößten Markt für Elektrofahrzeuge: Nachfrage schafft Aufträge, Aufträge finanzieren Forschung, Massenproduktion optimiert Ausbeute und Kosten. Diese "Markt → Kapazität → Technologie → Kosten"-Fliehkraft war stärker als die japanische Vorsicht.

VI. Epilog

Panasonic war ein Pionier der Lithium-Ionen-Technologie, Tesla einziger "Herz"-Lieferant und weltweit größter EV-Batteriehersteller. Doch der Konservatismus der japanischen Autobauer raubte Panasonic den Inlandsmarkt, und die übermäßige Abhängigkeit von Tesla ließ es China verpassen.

Vor zwanzig Jahren stand Panasonic an der Spitze. Heute tragen CATL und BYD die Krone. Die Lehre ist hart: Technologische Führung ist nicht gleich industrielle Führung. Der entscheidende Vorteil ist nicht, ob man etwas bauen kann, sondern ob ein Markt groß genug ist, um es immer weiter zu verbessern.

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